Einleitung

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Einleitung:

Die Stadt Varto (GIMGIM), die im Kurdengebiet der Türkei liegt (Osttürkei), ist eine für diese Region üblich gebirgige Stadt, mit einer sehr idyllischen Landschaft und ist sehr reich an Wasserquellen. Vor allem im Frühjahr ist die Natur dort in ihrer vollen Schönheit zu bestaunen. Eine trockene Hitze zeichnet diese Gegend aus und keine Schwüle wie andernorts. So schön das Frühjahr und der Sommer auch sein mögen, so hart sind auch die Winter in Varto. In den letzten 30 Jahren war Varto auch ein Schauplatz des Burgerkrieges zwischen der türkischen Armee und den kurdischen Kämpfern der PKK. Die Bevölkerung Vartos bildet sich zum einen aus Kurden, die den Kurmanci-Dialekt sprechen und die in der Regel der sunnitischen Konfession angehören und zum anderen aus den Zazaki sprechenden Kurden, die der alevitschen Konfession angehören. Es gibt auch wenige Dörfer wie Kovik in denen alevitsche Kurmancsprecher beheimatet sind. Beim Zazaki geht man mittlerweile davon aus dass es sich um eine eigenständige Sprache handelt. Das muss aber nicht zwangsläufig heißen, dass Zaza keine Kurden seien, denn eine Ethnie muss nicht unbedingt auf eine einzige Sprache begrenzt sein.  Verwandt sind diese Dialekte oder Sprachen doch auf jeden Fall und einige Wissenschaftler haben bewiesen, dass diese Gruppen auch genetisch identisch sind. Vor dem Genozid durch die jungtürkischen Osmanen an den Armeniern im Jahre 1915 lebten in Varto auch viele Armenier. Die Verbliebenen sind heute assimiliert. Die Spuren der Armenier kann man noch heute sehen. Das Dorf Emera zum Beispiel macht seinen armenischen Ursprung durch seinen Namen schon deutlich. In Europa lebt eine sehr große Immigranten-Gemeinde aus Varto. Die meisten von ihnen in Berlin und Paris. Das große Erdbeben in Varto im Jahr 1966 trieb viele in die Diaspora. Varto hat viele berühmte Söhne hervor gebracht, unter anderem stammt der viel geachtete Filmemacher Yilmaz Güney väterlicherseits von dort.

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Die Geschichte In der Regel gehen alle Quellen davon aus, dass die Geschichte Vartos mit den Urartus beginnt. Sie belegen auch, dass nach den Urartus die Meder, Perser, die Port, die Römer und die Byzantiner sich in dieser Region einander ablösten. Mit der Schlacht von Mantzikert (Malazgirt) im Jahr 1071 fiel Varto unter die Herrschaft der Seldschuken. Bei den archäologischen Ausgrabungen zu Kayalidere wurde eine Halskette gefunden, welche auf die Zeit Sarduris XI. (in der Urartu-Epoche) datiert wird. Einige Quellen gehen davon aus, dass das Wort „Varto“ von dem Wort „Urartu“ abstammt. „Gümgüm“ ist eines der älteseten Namen für das Zentrum des Landkreises und für den Landkreis selbst; im Volksmund: „Gimgim“. Es gibt einige unterschiedliche Behauptungen in Bezug auf die Herkunft des Namens „Gimgim.“ Einigen Quellen zufolge soll Goskar Baba, Häuptling der Akkoyunlu, mit dem Einzug der Oghusen in diese Region im Jahr 786 dieses Gebiet „Gimgim“ genannt haben. Andere Quellen behaupten auch, dass „Gimgim“ an jenes Geräusch erinnert, welches durch Trommelschläge entsteht. Diese Trommeln wurden anlässlich der Grabbesuche (Pilgerreisen) von Goskar Baba in den 3000 Meter hohen Bingöl-Bergen geschlagen. Wiederum andere Quellen sagen, dass diese Region den Namen Varto erhielt, weil diese eine beachtliche Trappen-Population beherbergte. Diese Trappen-Vögel (türk.: „Toy“) waren begehrte Jagdbeute der Seldschuken-Fürsten, die regelmäßig in dieser Region Vogeljagd betrieben und vergnügt „Es gibt Trappen!“ (türk.: „Toy Var!“) ausriefen. „Vartoy“ soll sich im Lauf der Jahre im Volksmund zu „Varto“ entwickelt haben. Eine andere Vermutung ist die, dass die ehemaligen Vulkane südlich von Varto wegen ihrer Eruptionsgeräusche für den Namen „Gimgim“ verantwortlich sind. Andere Quellen gehen davon aus, dass der Name „Varto“ aus dem Armenischen stammt, weil erstens die Geschichte Vartos auf nur neun Jahrhunderte geschätzt wird und zweitens die Armenier immer schon traditionell in dieser Region gelebt haben. 1963/64 stießen türkische und englische Archäologen auf Überreste der Urartus. Mit der Schlacht von Malazgirt fällt diese Region unter die Herrschaft der Seldschuken. Später stellen die Stämme der Karakoyunlular (Horde der Schwarzen Hammel) und der Akkoyunlular (Horde der Weißen Hammel) Herrschaftsansprüche über diese Region. Einhergehend mit der Tschaldiran-Schlacht im Jahr 1514 fällt Varto unter die Verwaltung der Osmanen. Mit der Gründung der Republik (1923) erhielt Varto mit der Zustimmung des Innenministers und des Parlaments seinen offiziellen Namen und seinen Status (Landkreis).

Quelle: GIMGIM dergisi, Sayi 1

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Die Sprache Ein Teil der in Varto angesiedelten Bevölkerung setzt sich aus dem Nomadenstamm der Cibranli zusammen. Er wurde von Sultan Yavuz Selim von Anatolien nach Osten geführt. Der andere Teil sind die Harzemischen Hormek- und Lolan-Aleviten. Die letztgenannten zwei Stämme sprechen eine Mischung aus Kurmanci und Zaza. Die Hormeker zogen von Horasan nach Erzincan wo sie von dort aus Zuflucht in Dersim suchten. In den Jahren 835-1419 und zur Zeit des Sultans Murat IV. verbreiteten sich die Hormeker in den Gebieten in und um Varto und Kigi. Dieses Volk lebt heute in folgenden Gebieten: an die Verwaltung zu Varto-Üstükran angeschlossenen Dörfern Caneseran, Kasman, Civarik, Budan, Hamuk, Tatan, Danzig, Rakasan, Sofyan, Saman, Sorik, Muskan, Hashas, Harik, Zengel, Mengel, Kuzik, Ameran, Groß- und Klein-Üstükran und Tschorschan; in den Dörfern Y. Sorik, Ciftlik, und Kamisani, die an Karliova angeschlossen sind; sie bewohnen die Dörfer Darabi, Hirtschik, Kurdan, Maskan, Kürikan, Pircan, Sagiyan, Sirnan, Yekmal, Teymurtasch, Agbinek und Tscherme, die allesamt an das Gebiet Kigi und Karir angeschlossen sind. Im Landkreis Pülümür bewohnen die Hormeker die Dörfer Karagöl, Yukari Agusen, Göller und Hölenek; in der Verwaltung Silepür (an die Provinz Erincan angeschlossen) die Dörfer Büyükköy, Dalar und Sarsek; die Dörfer Gavur-yurdu, Halitler und Eski-Konak des Landkreises Refahiye; die Dörfer Civarik, Balik und Hormek (an Nazmiye angeschlossen); die Dörfer Kosan, Suvaran, Konik, Harabe und Karamola des Landkreises Hinis, sowie die Dörfer Konduk und Gülüstan des Distrikts Göle. Der in Varto und Kigi angesiedelte Teil des Volkes sprach Zaza, und der in Kars, Refahiye und Kurutschay angesiedelte Teil sprach Kormanci. Aus: M. Serif Firat: Dogu Illeri ve Varto Tarihi, 1970 .

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Die Seen Im Osten Vartos, an dem Grenzpunkt zu den Landkreisen Hinis und Bulanik, nahe des Dorfes Iskender (der Verwaltung Karaköy angeschlossen) befinden sich die Hamirpet-Berge. Auf einer Höhe von 2500m ruhen zwei Seen; die Mamirbey/Hamirpet-Seen. Diese Seen haben einen Durchmesser von 20-30 Kilometern und sind etwa 200m tief. Ihr kristallklares Wasser ist süß und kalt. Das abfließende Wasser dieser Seen bildet einen Bach, der an Iskender vorbei und durch das Verwaltungszentrum fließend in den Murad mündet. Außerdem befindet sich zwischen dem Dorf Mengel (der Verwaltung Üstükran angeschlossen) und dem Dorf Kargapazar (in Karliova) auf einer Höhe von 2000m der tiefe See Gölbahri. Auch dieser See ist zugleich eine Quelle. Sein Wasser ist blau und hat einen Durchmesser von drei Kilometern. Außer diesen Seen gibt es eine Vielzahl von Seen in den Bergen von Bingöl, deren Ausläufer weit in den Landkreis Varto hineinreichen.

Die Inhalte hier sind alle Bestandteil meiner Homepage www.gimgim.de

 

Ein Gedanke zu „Einleitung

  1. Mesut Sönmez

    Sehr geehrter Herr Erden,

    So sehr Ihr Bilder schön sind, ist die Behauptung , dass Zaziki Kurdisch sei falsch. Dies ist wissenschaftlich nicht zu halten, so sehr das auch von einigen gewünscht wird. Mehrere Sprachwissenschaftler ( Oskar Mann, Karl Hadank, Jost Gispert usw.) haben klar festgestellt, das Zaziki eine eigenständige Sprache (iranischer Zweig der indogermanischen Sprache) ist und nichts mit dem Kurdischen zu tun hat. Und das schon Anfang des 20. JH. Ebenso zweifelhaft ist Behauptung, dass ein genetischer Nachweis erbracht wurde, dass Zazas und Kurden genetisch identisch seien. Es wurden gentische Proben von Zazas und Kurden aus verschiedenen Ländern verglichen und eine gewisse Gemeinsamkeit festgestellt ( Martin Bruinsen) aber auch klar gesagt, dass eine klare Zuordnung nicht möglich sei und wohlmöglichkeit nie geklärt werden kann. Und für die Zazas gibt es mehrer Theorien . Aber die Zuordnung zu den Kurden ist mit Sicherheit falsch. Ein Volk das zwei unterschiedliche Sprachen spricht ist Unfug, da ich kein Kurdisch verstehe und mich mit Ihnen unterhalten kann. Ein differenzierte Betrachtung täte gut

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